Der erste Weg bei einem Verdacht auf Multiple Sklerose ist meist der Weg ins MRT. Im Befund ist dann oft die Rede von „Läsionen“ und „demyelinisierenden Herden“. Womöglich erklärt der Arzt dem Betroffenen das Bild und zeigt auf weiße Flecken im Gehirn.
Die Frage, die dann oft aufkommt ist: was ist denn dort, wo der Fleck sitzt? Was ist hier betroffen? Was müsste ich spüren oder merken?
Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten.
In der Medizin kennt man den Aufbau des Gehirns gut, man weiß wo gewissen Funktionen und Zentren im Gehirn beheimatet sind. Dieses Wissen wurde ursprünglich von Unfallopfern gewonnen, bei denen einzelne Hirnareale zerstört wurden. Mittlerweile weiß man aber auch gut über die sogenannte Plastizität des Gehirns Bescheid. Vor allem bei Kindern können nach Verletzungen oder Schäden am Gehirn viele Funktionen von anderen Regionen übernommen werden. Diese Plastizität nimmt zwar im Alter ab, bleibt aber bis ins hohe Lebensalter vorhanden. Dies macht man sich auch bei der Rehabilitation zu Nutze.
Daher betrachtet man heute das Gehirn eher als neuronales Netzwerk, das sich immer wieder neu verbinden und lernen kann.
Bei der Multiplen Sklerose führen daher nicht alle Läsionen oder Flecken im Gehirn automatisch zu Ausfällen oder Symptomen. Die asymptomatischen Läsionen, die zu keinerlei Beschwerden führen, sind sogar fast 10 mal häufiger als Entzündungsherde, die einen Schub auslösen. Dennoch trägt jeder einzelne Herd zum gesamten Schaden am Netzwerk bei, was sich oft erst später bemerkbar macht und die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigt. Dies kann sich im Laufe der Zeit als erhöhte Erschöpfbarkeit und schleichenden Kranksheitsverschlechterung bemerkbar machen.
Im Bereich der Wirbelsäule ist dies anderes. Im Rückenmarks findet sich auf sehr engem Raum geballte Information. Hier sind neue Entzündungsherde, die keine Beschwerden verursachen, sehr selten.
Zusammenfassend führt zwar nicht jeder neuer Fleck im Gehirn zu akuten Beschwerden, dennoch macht es Sinn neue Entzündungsherde bestmöglich zu verhindern um möglichst lange fit trotz MS bleiben zu können.