Im Zusammenhang mit vielen MS-Medikamenten fällt im Rahmen der Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen immer wieder das Wort PML.

Was ist PML?

PML (progressive multifokale Leukenzephalopathie) ist eine durch eine Infektion mit dem JC-Virus hervorgerufene Erkrankung des zentralen Nervensystems. Diese Erkrankung tritt in der Regel nur bei Patienten mit eingeschränktem Immunsystem – wie etwa bei AIDS, aufgrund bestimmter Medikamente oder Chemotherapien- auf.

Eine Infektion mit dem JC-Virus ist häufig. Im Laufe des Lebens stecken sich ca. 40-60% der Bevölkerung mit dem Virus an, meist schon in der Kindheit. Die Infektion bleibt in der Regel unbemerkt und macht keine Krankheitssymptome. Nach der Infektion verbleibt der Virus im Körper. Bei gesunden Patienten macht dies keine Beschwerden. Ist das Immunsystem allerdings herabgesetzt, kann es zu einer Reaktivierung des Virus mit nachfolgender PML-Erkrankung kommen.

Welche Symptome macht eine PML-Erkrankung?

Eine PML Erkrankung kann verschiedene neurologische Symptome machen, die auch einem MS-Schub ähnlich sein können. Die Beschwerden treten schleichend auf und verschlechtern sich im Verlauf der Zeit. Im Gegensatz zur MS treten oft Gedächtnisstörungen, Wesens- und Charakterveränderungen sowie Sprachstörungen auf. Jedoch können andere neurologische Ausfälle, wie Gefühlstörungen, Lähmungen,… auftreten.
Kann die PML-Erkrankung ungehindert fortschreiten führt dies letztlich zu schwerer Behinderung oder Tod.
Sinnvolle Risikoabschätzung und regelmäßige Kontrollen unter Therapie sind daher wichtig um im Ernstfall schnell auf eine Erkrankung reagieren zu können und somit die Chancen auf gute Erholung möglichst hoch zu halten.

Wie schütze ich mich?

Ihr betreuender MS-Arzt wird mit Ihnen im Rahmen der Aufklärung über die für Sie in Frage kommenden MS-Therapie über das Risiko der Entwicklung einer PML sprechen.

Das PML-Risiko bei MS-Therapien ist von Medikament zu Medikament unterschiedlich und vor allem auf die Medikamente mit stärkerer Wirkung auf das Immunsystem beschränkt. Eine individuelle Risikoabschätzung für den einzelnen Patienten ist meistens möglich und sehr sinnvoll.

Insgesamt ist die PML aber eine sehr sehr seltenen Erkrankung.

Zur Veranschaulichung: Unter Therapie mit Natalizumab ist das PML-Risiko (unter gewissen Voraussetzungen) mit 1:10.000 angegeben. Das würde bedeuten 1 Patient von 10.000 erkrankt. Als Vergleich dazu liegt das jährliche Risiko für einen tödlichen Autounfall bei ca. 1:1000, also 10mal höher.

Regelmäßige neurologische und regelmäßige MRT-Kontrollen unter gewissen MS-Therapien sind eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme um eine möglich Erkrankung früh zu erkennen und rasch die nötigen Maßnahmen einleiten zu können.