Was kann ich tun um meine Multiple Sklerose positiv zu beeinflussen? Hat mein Lebensstil Einfluss auf meine Erkrankung?

Fragen wie diese stellt sich fast jeder irgendwann im Krankheitsverlauf. Auch die Forschung geht der Frage nach Lebensstilmodifikation und MS und Risikofaktoren für die Entstehung einer MS nach.
Besonders Risikofaktoren, die man selber beeinflussen kann, sind hier von Interesse.

Schon seit vielen Jahren wird dem Einfluss von Übergewicht auf die Entstehung und den Verlauf der Multiplen Sklerose nachgegangen. Was weiß man bislang darüber?

Bereits 2016 konnte im einer Untersuchung gezeigt werden, dass Übergewicht in der Kindheit und Jugend vor allem bei Frauen mit einem erhöhten Risiko einhergeht, eine Multiple Sklerose zu entwickeln. Auch zeigte sich ein früherer Krankheitsbeginn und ein ungünstigerer Krankheitsverlauf. (Hier die Publikation: Gianfrancesco MA, Barcellos LF. Obesity and Multiple Sclerosis Susceptibility: A Review. J Neurol Neuromedicine. 2016).

Beim ECTRIMS 2020, dem größten internationalen MS-Kongress, wurden neue Daten zu Übergewicht und MS präsentiert. Es zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Bodymass-Index und Hirnatrophie. Auch wurde gezeigt, dass übergewichtige Patienten oft schlechter auf medikamentöse Therapien ansprechen und vermehrt Therapiewechsel nötig waren.

Schon länger gibt es wissenschaftliche Hinweise darauf, dass ein Metabolisches Syndrom (Symptomkomplex aus Übergewicht, Diabetes und Fettstoffwechselstörung) zu systemischer Inflammation und Störung der Blut-Hirn-Schranke führen kann. Dies könnte zum Teil die negativen Auswirkungen auf den Verlauf einer MS erklären.

Die gute Nachricht zu Schluss: die Behandlung eines metabolischen Sydroms führte in Untersuchungen zu einer Abnahme neuer oder kontrastmittelspeichernder Herde im MRT.

Was lernen wir daraus?
Wie so oft in der Medizin ist die Behandlung des ganzen Menschen und nicht nur einer einzelnen Erkrankung wichtig. So dürfte die Behandlung bereits bekannter kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Übergewicht oder Nikotinabusus auch einen positiven Einfluss auf eine bestehende Multiple Sklerose haben!