Gerade bei Diagnosenstellung, oft aber auch im Krankheitsverlauf, stellen sich Patienten die Frage, was sie denn abgesehen von medikamentöser Therapie sonst noch gegen ihre MS-Erkrankung tun können.

Von Freunden und Bekannten bekommt man unzählige gut gemeinte Tipps zu Ernährung, Vitaminen und Stessreduktion, im Internet findet man unzählige Bücher, Foren und Berichte über „Wunderheilungen“ und „Wunderkuren“.

Aber was stimmt den davon? Muss man sein Leben wirklich komplett umstellen?

Eine komplette Umstellung der eigenen Angewohnheiten ist nicht sinnvoll. Aber: egal ob MS und nicht MS, ein gesundes Leben sollte einjeder führen. War Ihr Leben bisher von vielen ungesunden Angewohnheiten geprägt, dann sollte die MS-Erkrankung ein guter Grund sein um besser auf den eigenen Körper Acht zu geben.

Worauf kann man also achten?

Ernährung

Eine ausgewogene gesunde Ernährung macht natürlich auch für MS-Patienten Sinn. Eine strikte MS-Diät, wie in manchen Büchern empfohlen, ist allerdings nicht nötig – Essen sollte als alltäglicher Lebensteil Freude und Genuss beinhalten und nicht zur Qual werden. Auf einige Empfehlungen, die oft leicht in den Alltag einzubauen sind, kann man allerdings achten. Lesen Sie hierzu unseren Artikel zu Ernährung und MS.

Stress

Sehr oft kommt die Frage, ob Stress MS ausgelöst hat oder verschlechtern kann. Die Antwort hierzu ist einfach: nein.
Ein stressiges Leben ist und war sicherlich nicht der Auslöser für Ihre MS-Erkrankung. Stress kann auch die Erkrankung an sich nicht verschlechtern, allerdings kann Stress unter Umständen eine vorübergehende Verschlechterung bekannter MS-Symptome bewirken. Dies heisst aber nicht, dass man Stress aus dem Weg gehen muss (was ja auch kaum machbar ist).
Viel wichtiger: MS-Patienten sollten lernen auf den eigenen Körper zu hören und lernen , wenn möglich, STOPP oder NEIN zu sagen, wenn die eigenen Kräfte gerade ausgehen.

Rauchen und Alkohol

Sehr viele Daten belegen schlechte Auswirkungen des Rauchens auf die MS. Wenn Sie abseits von Medikamenten Ihrer MS etwas Gutes tun wollen, dann hören Sie auf zu Rauchen. Alkohol dürfte keinen wesentlichen Einfluss auf die MS-Erkrankung haben.

Fitness

Körperliche Fitness ist immer gut, das gilt natürlich auch für MS-Patienten. Je fitter Sie sind, um so mehr „Reservekapazität“ hat Ihr Körper und wird daher besser mit Fatigue oder einem neuerlichen Schub umgehen können. Bleiben Sie fit, so wie es am besten für Sie passt und am meisten Spass macht. Ob Sie regelmäßige Spaziergänge, Radfahren, Yoga oder Fitnesscenter bevorzugen ist nebensächlich: alles was Freude macht und fit hält ist erlaubt.

Vitamin D

Vitamin D und MS verbindet eine lange Geschichte. Sowohl epidemiologische/geographische Daten, als auch wissenschaftliche Daten zur Wirkung von Vitamin D auf das Immunsystem legen eine Zusammenhang zwischen MS und Vitamin D nahe. Leider ist es in „Realität“ komplizierter als am Papier. Viele Studien im Bezug auf die Anwendung von Vitamin D bei MS zeigten keine Nutzen. Dennoch: ein Vitamin D-Mangel sollte ausgeglichen werden. Dies ist auch zur Prophylaxe von Osteoporose wichtig, gerade da viele MS-Patienten durch ihr Geschlecht und die Kortisongaben hier ein erhöhten Risiko zur Entwicklung einer Osteoporose haben. Vorsicht allerdings bei Hochdosis-Vitamin-D-Kuren wie zB dem Coimbra-Protokoll: neben den teils hohen Kosten fehlt es hier an wissenschaftlich haltbaren Daten und das Risiko von -teils schwerwiegenden- medizinischen Nebenwirkungen einer Überdosierung ist gegeben.

Kurzum: achten Sie auf sich und ihre körperliche und seelische Gesundheit, vielleicht ein bisschen mehr als vor der MS-Diagnose, aber lassen Sie dadurch nicht Ihr Leben bestimmen! Und vielleicht ist die MS ein guter Ansporn um manche „schlechte“ Angewohnheit loszuwerden!