Blasenstörungen sind ein häufiges Problem bei Multipler Sklerose. Es kann zu sehr häufigem und sehr plötzlichem Harndrang kommen, der nur schwer oder gar nicht kontrolliert werden kann. Auch kann es zu einer unvollständigen Blasenentleerung mit Restharnbildung kommen. Dies wirkt für Harnwegsinfekte begünstigend.

Im Verlauf der Erkrankung kommt es bei ca. 50%–80% der Patienten zu Blasenstörungen. Frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, da es unbehandelt zu häufigen Harnwegsinfekten und in der Folge zu Erkrankungen der Nieren kommen kann.

Eine Abklärung durch einen Facharzt für Urologie mit Restharnbestimmung und eventuell eine urodynamische Untersuchung ist sinnvoll.

Welche Therapien bei Blasenstörungen gibt es?

Es stehen allgemeinen Verhaltensregeln und nicht-medikamentöse Therapien zur Verfügung:

  • Ausreichende Trinkmenge
  • Regelmäßiger – auch prophylaktischer – Toilettengang
  • Harndrang nicht zu lange unterdrücken (kann Spastik verstärken)
  • Beckenbodengymnastik
  • bei häufigen Harnwegsinfekten Ansäuerung des Harns verbeugend gegen erneute Harnwegsinfekte (z.B. durch Preiselbeerpräparate)

Neben diesen Möglichkeiten können Medikamente die Symptome verbessern. Welches Medikament und Verfahren sinnvoll und angebracht ist, sollte nach eingehender Untersuchung vom behandelnden Urologen entschieden werden.

Bei fortgeschrittenen Blasenfunktionsstörungen im Sinne einer überaktiven Blase kann mit dem behandelnden Urologen die Möglichkeit einer intravesikalen Botoxinjektion erwogen werden.

Bei durch allgemeine Verhaltensmaßnahmen und medikamentöse Therpie nicht beherrschbaren Restharnmengen kann ein – einfach zu erlernender – Selbstkatheterismus notwendig werden.

Um im Alltag besser mit einer Blasenfunktionsstörung zurechtzukommen stehen mittlerweile viele Möglichkeiten zur Verfügung : Vorlagen und spezielle Slips, Kondom-Urinale für Männer und Tropfenfänger. Lassen Sie sich durch Ihren Facharzt für Urologie oder Ihr Sanitätsfachgeschäft beraten!