Witze über Behinderte machen – Ja, darf man denn das?

Man darf, meint Phil Hubbe, und der Erfolg gibt ihm Recht.

Seit den 1990er Jahren zeichnet der Karikaturist Cartoons über Erkrankung und Behinderung. Schon 7 Bücher mit „Behinderten Cartoons“ sind mittlerweile erschienen, viele Fans hoffen auf  Fortsetzung.

Phil Hubbe selbst erkrankte in den 1980er Jahren an Multipler Sklerose.

Ärzte rieten ihm mit dem Zeichnen aufzuhören — er machte es zu seinem Beruf. In den Cartoons macht Hubbe nicht nur seine eigene Erkrankung zum Thema sondern auch viele andere Krankheiten und Behinderungen.

Im Interview mit der Niederösterreichischen MS-Gesellschaft steht Phil Hubbe nun Rede und Antwort.

Herr Hubbe, Sie sind erfolgreicher Cartoonist und nehmen in Ihren Cartoons Krankheit und Behinderung aufs Korn. Hilft Lachen?
Phil Hubbe: Vielleicht nicht unbedingt überall, aber manchmal ist es schon hilfreich. Es kann ablenken und auflockern. Es bringt ja auch nichts, alles immer nur zu ernst zu betrachten.

Sie selbst erhielten 1988 die Diagnose Multiple Sklerose. Ist es schwer trotz chronischer Erkrankung den Humor nicht zu verlieren?
Phil Hubbe: Es gibt bestimmt einfacheres, aber Humor gehört für mich zum Leben dazu. Wie oben schon gesagt, er kann ablenken und auch einen anderen Blickwinkel bieten. Das Lachen über sich selbst ist nicht immer einfach, aber hilft ungemein.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage, Freunde und Kollegen hätten Sie dazu ermutigt, Ihre Krankheit zum Thema von Cartoons zu machen. Hatten oder haben Sie Angst, auf das Thema reduziert zu werden?
Phil Hubbe: Es ist zwar mein spezielles Thema, aber dafür mache ich auch noch zu viele andere Sachen. Auf der anderen Seite stört es mich auch nicht allzu sehr, es ist nun mal ein gewisses Alleinstellungsmerkmal von mir.

In Ihren Cartoons thematisieren Sie unterschiedlichste Krankheiten und Behinderungen. Wie gehen Sie es an, Krankheiten, die Sie nicht direkt betreffen, zu behandeln (Lachen ist ja angeblich die beste Medizin)?
Phil Hubbe: Ich versuche mich da schon vorher kundig zu machen. Das Wichtigste ist nun mal, dass man schon etwas Ahnung haben sollte von dem, was man darstellen will. Vieles wird mir dabei auch von Betroffenen zugetragen, die ja am besten darüber Bescheid wissen sollten. Ich bekomme ja oft die Rückmeldung von Betroffenen, deren Krankheit ich noch nicht in meinen Cartoons verarbeitet habe, dies doch unbedingt noch zu machen. Sie wollen „dazugehören“.

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Cartoons? Gibt es unterschiede zwischen Betroffenen und nicht Betroffenen? Wer lacht am lautesten?
Phil Hubbe: 
Die gibt es schon. Protest und Kritik kommt dabei hauptsächlich von Leuten, die weder betroffen sind noch jemanden kennen, der es ist. Betroffene sehen dies meist anders. Sie kritisieren eher, dass ich vielleicht ihr Handicap noch nicht verarbeitet habe. Sie lachen am lautesten über die schwärzesten Motive.

In einem Ihrer Cartoons fordert ein Fotograf Behinderte, die für ein Gruppenfoto posieren, auf, ein bisschen ernster und trauriger zu schauen, immerhin seien sie ja behindert. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie die „typische“ Darstellung von Behinderten in den Medien sehen?
Phil Hubbe: 
Entweder werden sie als Helden dargestellt oder als Opfer. Dazwischen gibt es selten etwas. Die Darstellung als einfacher und normaler Mensch scheint nicht von Interesse zu sein. Das ärgert mich schon.

Hat Ihrer Meinung nach die Ernsthaftigkeit der Darstellung von Behinderten und Kranken in den Medien auch etwas mit Scheu, eventuell sogar Scham zu tun?
Phil Hubbe: Ich denke schon. Man möchte das gerne verdrängen und sich nicht unbedingt damit beschäftigen. Ich bekomme dies auch auf Ausstellungen mit, dass einige Leute, wenn sie vor meinen Bilder stehen dann sagen, das geht mich nichts an. Es kann sie nicht interessieren, okay, aber nichts angehen? Die meisten Rollstuhlfahrer sind verunfallt und ein Schlaganfall kann jeden treffen. Es kann ganz schnell gehen, dass es auch sie betrifft und direkt etwas angeht.

Haben Sie einen Lieblingscartoon?
Phil Hubbe: 
Mein absolutes Lieblingsbild  ist „MS Rainer“. Es war auch einer meiner ersten Cartoons.

Wieviele Cartoons werfen Sie in den Mist ohne Sie zu veröffentlichen? Und welche?
Phil Hubbe: Na ja, so viele sind dies gar nicht. Ich überlege mir vorher schon relativ genau, was funktioniert und machbar ist. Aber natürlich gibt es einige, die nach Vollendung doch noch in den Papierkorb wandern. Genau beziffern kann ich dies jedoch nicht.

Sie haben mittlerweile 7 Bücher mit „Behinderten Cartoons“ veröffentlicht. Ist noch mehr geplant?
Phil Hubbe: Das ein oder andere Buch soll noch erscheinen von mir, genauso wie mein jährlicher Kalender. So schnell werde ich damit nicht aufhören.

Die Bücher von Phil Hubbe sowie sein jährlich erscheinender Kalender können Sie direkt auf der Homepage des Karikaturisten sowie über den CARLSEN Verlag bestellen.