Was ist Alemuzumab?

Alemtuzumab ist ein monoklonaler Antikörper, der zur langanhaltenden Zerstörung von bestimmten weißen Blutkörperchen (B- und T-Lymphozyten) führt.

Alemtuzumab ist seit 2013 in Europa zur Multiple Sklerose-Behandlung zugelassen.

Welche Präparate zur Alemtuzumab-Therapie gibt es in Österreich?

Alemtuzumab ist in Österreich unter dem Namen

  • Lemtrada® als Infusion im ersten Behandlungsjahr an insgesamt 5 Tagen, im zweiten Behandlungsjahr an insgesamt 3 Tagen

erhältlich.

Alemtuzumab ist für die Behandlung von Erwachsenen mit schubförmig-remittierender MS (RRMS) bei Nachweis von Krankheitsaktivität im klinischen Befund oder in der Bildgebung zugelassen.

Gibt es Nebenwirkungen bei Alemtuzumab-Therapie?

Alemtuzumab wird im Krankenhaus verabreicht. Aufgrund von Infusionsreaktionen wie Fieberschüben, Kopf- und Gelenksschmerzen, Übelkeit und Erbrechen wird vor der Infusion eine entsprechende Begleitmedikation verabreicht, die die Verträglichkeit verbessert.

Sekundäre Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, der Blutplättchen und der Nieren können auch noch Jahre nach der Therapie auftreten. Monatliche Blut- und Harnkontrollen bis 5 Jahre nach der letzten Infusion sind deshalb notwendig.

Als Vorsichtsmaßnahme nach Meldungen über schwere immunvermittelte Nebenwirkungen und Herzprobleme einschließlich mehrerer Todesfälle unter Alemtuzumab (Lemtrada®) schränkt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Indikation des MS-Medikaments vorerst ein. Es handelt sich um immunvermittelte Krankheiten (einschließlich Autoimmunhepatitis und hämophagozytischer Lymphohistiozytose), Probleme mit Herz und Blutgefäßen (wie Lungenblutung, Herzinfarkt, Schlaganfall und arterielle Dissektion) und schwere Neutropenie. Eine Überprüfung des Medikaments wurde eingeleitet. Bis deren Ergebnisse vorliegen, gelten folgende Empfehlungen.

EMA-Anwendungshinweise:

  • Neueinstellungen von Lemtrada® sollen vorübergehend nur bei Patienten vorgenommen werden, die trotz der Behandlung mit einem vollständigen und angemessenen Zyklus mit mindestens zwei verlaufsmodifizierenden MS-Therapien nach wie vor einen hochaktiven Verlauf der MS haben oder bei denen aufgrund von Kontraindikationen keine andere Therapie verwendet werden kann.
  • Patienten, die bereits mit Lemtrada® behandelt werden und von der Therapie profitieren, können diese in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt fortsetzen.
  • Patienten, die mit Lemtrada® behandelt werden, sollten folgendermaßen überwacht werden:
    • Vitalparameter sollten vor und während der Lemtrada®-Infusion überwacht werden. Bei Unregelmäßigkeiten sollte die Infusion ggf. unterbrochen werden und der Patient weiter untersucht werden, einschließlich EKG.
    • Leberfunktionstest sollten vor und während der Behandlung durchgeführt werden. Bei einer Veränderung der Leberwerte, die auf eine Schädigung oder Dysfunktion hindeuten, sollte Lemtrada® nur nach sorgfältiger Abwägung weiter gegeben werden.
    • Patienten, die Zeichen einer pathologischen Immunaktivierung zeigen (bis zu vier Jahre nach Beginn der Behandlung), sollten sofort untersucht werden. Die hämophagozytische Lymphohistiozytose sollte als Diagnose in Betracht gezogen werden.
  • Patienten sind auf folgende Symptome der neu aufgetretenen Nebenwirkungen aufmerksam zu machen und sollten unverzüglich ihren behandelnden Arzt aufsuchen, wenn sie unter folgenden Beschwerden leiden:
    • Atemprobleme und Brustschmerzen
    • Atembeschwerden und Bluthusten
    • hängende Gesichtszüge, plötzliche schwere Kopfschmerzen, einseitige Schwäche, Sprachschwierigkeiten oder Nackenschmerzen
    • Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunkler Urin, Neigung zu Blutungen und Blutergüssen
    • Fieber, geschwollene Drüsen, Blutergüsse und Hautausschlag

Die aktuellen EMA-Sicherheitshinweise finden Sie hier.

Ihr behandelnder Arzt informiert Sie zu weiteren Details.

Mehr Informationen zum Medikament finden Sie auch im Patientenhandbuch Alemtuzumab des Kompetenznetz Multiple Sklerose KKMS, hier als PDF zum downloaden.