Advent ist die Zeit im Jahr, die wir mit Besinnlichkeit und Gemütlichkeit verbinden. Dennoch sind gerade diese Tage im Jahr für viele von uns die Stressigsten überhaupt: Geschenke besorgen, die Wohnung weihnachtlich dekorieren, Adventskalender und Adventskranz kaufen oder gar selber machen, Kekse backen, Weihnachtsgrüße an liebe Bekannte und Verwandte versenden….
Die Liste an Dingen, die erledigt werden wollen ist schier unendlich.

Leidet jemand in der Familie oder Sie selbst an Multipler Sklerose kommt nach ein sehr wichtiger Punkt hinzu:

Nicht zulassen, dass der Weihnachtsrummel die MS-Symptome verstärkt!

Es ist zwar nicht davon auszugehen, dass Weihnachtsstress einen Erkrankungsschub auslöst, dennoch können die Anforderungen der Advents- und Weihnachtszeit bereits bestehende Symptome verschlechtern und so die Freude an Weihnachten schmälern.

Darum hier ein paar Tipps für Sie und Ihre Familie, wie Weihnachten mit MS ein wirkliches Fest der Freude wird:

  • Passen Sie ihre Erwartungen an die Weihnachtszeit an Ihre eigenen Möglichkeiten an:
    In der Vergangenheit haben Sie immer mindestens 20 verschiedene Kekssorten gebacken? Jetzt aber schaffen Sie das körperlich (auch die Hitze des Backofens kann ein Uthoff-Phänomen mit Verschlechterung der MS-Symptome machen!) nicht mehr?
    Dann seien Sie realistisch und setzen Sie sich als Ziel nicht 20 Sorten sondern backen Sie nur 2 Sorten ihrer absoluten Lieblingskekse.
    Vergleich mit Weihnachten vor vielen Jahren zählen nicht – Sie leben hier und jetzt.
    Kommunizieren Sie das auch mit Ihren Liebsten: das schaffe ich, das schaffe ich nicht, hier brauche ich Hilfe. Gemeinsam kann man sich so auf Traditionen einigen, die man nicht missen möchte und Dinge identifizieren, auf die man verzichten kann.
  • Die eigenen Kräfte einteilen:
    Regelmäßig an die eigenen Grenzen zu stoßen und diese zu überschreiten fordert seinen Tribut. Zusätzlich machen Fatigue, vermehrte Hitzeempflindlichkeit in übervollen Räumen mit brennenden Kerzen und Probleme mit Multitasking die Weihnachtszeit für MS-Patienten schwer. Teilen Sie sich ihre Kräfte darum gut ein.
    Ordnen Sie ihre To-do-Listen nach Wichtigkeit: Unwichtiges am Ende der Liste kann bei schwindenden Kräften und knapper Zeit einfach weggelassen werden.
    Planen Sie regelmäßige Pausen ein, stellen Sie sich einen Wecker für die Pause. Ein kurzes Nickerchen zum Batterien-Aufladen kann oft Wunder wirken.
  • Routine im Alltag:
    Die Feiertag sind oft eine Zeit der Ausnahmen: unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, üppiges Essen, Alkohol. Dies alles kann neurologische Symptome einer MS verschlechtern. Denken Sie daran, dass Alkohol mit Medikamenten interagieren kann: z.B. kann sich die Wirkung von Muskelrelaxantien verstärken und die Fatigue erhöht werden.
  • Hitzempfindlichkeit bedenken:
    Denken Sie daran einem Uthoff-Phänomen in überhitzten Räumen mit brennenden Kerzen durch regelmäßiges Lüften entgegenzuwirken. Stellen Sie die Heizung lieber etwas kühler als zu warm ein. Falls Sie Gäste erwarten besprechen Sie lieber schon im Voraus, dass Sie Hitze nicht gut vertragen: so kann jeder entsprechend warme Kleidung für sich selbst mitbringen.
  • Sprechen Sie mit ihren Angehörigen:
    Sich selbst einzugestehen, dass man nicht mehr alles schafft, was man gerne schaffen möchte ist oft schwer, auch um Hilfe zu bitten ist nicht einfach.
    Denken Sie aber immer daran: Weihnachten ist ein Fest der Liebe, der Familie und der gegenseitigen Unterstützung.
    Ihre Angehörigen können nicht in Sie hineinschauen: oft ist anderen nicht bewußt, wie groß oder klein die eigenen Kraftreserven sind und dass manches, was vor 2-3 Jahren noch problemlos möglich war, jetzt schwierig geworden ist.
    Sprechen Sie mit Ihren Liebsten darüber um so ein wunderbares Weihnachtsfest für alle zu ermöglichen.

Auch wenn man nicht alles kontrollieren kann was passiert: durch gute Planung, Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Kommunikation steht einem Frohen Fest auch mit Multipler Sklerose nichts im Weg.

Quelle: Saint Louis University, Professor Florian Thomas