Unter vielen MS-Patienten herrscht derzeit große Verunsicherung bezüglich der Corona-Virus-Epidemie.

Hier zusammengefasst einige Informationen der ÖGN bezüglich MS und COVID19:

  • die Erkrankung MS ist grundsätzlich mit keinem erhöhtem Infektionsrisiko verbunden. Daher gelten für MS-Patienten dieselben Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen wie für die Allgemeinbevölkerung.
  • MS-Patienten können aber zu einer Risikogruppe zählen wenn Sie älter sind (<60 Jahre), bestimmte Begleiterkrankungen (Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Lungenerkrankungen oder Tumore) haben, durch die MS einen hohen Behinderungsgrad mit deutlicher Immobilität oder Bettlägerigkeit haben oder durch ihre MS-spezifische Therapie immunsupprimiert sind.
  • geplante Kontrollen und Arzttermine bzgl. der MS-Erkrankung sollen wenn möglich vorerst  unterbleiben oder telefonisch/virtuell erfolgen.
  • bei akuten Beschwerden (z.B.: Krankheitsschub) sollte zuerst telefonisch Kontakt mit dem behandelnden Neurologen aufgenommen werden um das weitere Vorgehen zu planen. Zu Bedenken ist hier, dass eine Kortisonstoßtherapie das Risiko einer Infektion/schweren Verlaufes erhöhen kann.
  • alle Patienten die unter eine spezifischen MS-Therapie stehen und einen stabilen Krankheitsverlauf haben, sollen ihre laufende Therapie unverändert fortführen. Ein Therapiewechsel sollte nur bei dringender Notwendigkeit aufgrund von Krankheitsaktivität oder Nebenwirkungen erwogen werden. 
    Vom Absetzten einer laufenden Therapie aus Angst vor Corona ohne dies mit dem behandelnden Arzt zu besprechen wird dringlichst abgeraten!!
  • ein Neubeginn einer spezifischen MS-Therapie bei frisch diagnostizierter MS muss im Einzelfall mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden, da hier viele individuelle Faktoren zu berücksichtigen sind (Wahl der Therapie, schwere der Erkrankung, Alter des Patienten…)  

Bezüglich der unterschiedlichen MS-Therapie:

  • Glatirameracetat und Interferone haben keine immunsuppressive Wirkung und führen zu keiner Risikoerhöhung
  • Dimethylfumarat, Natalizumab und Teriflunamid haben zwar eine potentiell immunsuppressive Wirkung, führen aber  nach derzeitiger Datenlage zu keiner Risikoerhöhung
  • Fingolimod, Siponimod, Cladribin, Ocrelizumab und Rituximab haben immunsuppressive Wirkung und erhöhen das Risiko. Die Therapie sollte bei stabilem Verlauf fortgeführt werden um das Risiko einer Krankheitsaktivität zu minimieren. Besondere Schutzmaßnahmen für Risikogruppen sollten von den Patienten eingehalten werden.
  • Alemtuzumab und Mitoxantron bergen mit ihrer immunsuppressiven Wirkung ein erhöhtes Risiko, über die Fortführung der Therapie sollte mit dem behandelnden Neurologen gesprochen werden.