Multiple Sklerose ist die Erkrankung der tausend Gesichter. So mannigfaltig ihr Verlauf ist, so unterschiedlich sind auch die Symptome. Über manche Symptome spricht man leicht und ungehemmt, andere sind intimerer Natur und schwer anzusprechen.

Dem Arzt von einer Gefühlsstörung in der linken Hand zu berichten ist leicht. Schwieriger fällt es, vom verlorenen Wettlauf auf die Toilette zu erzählen oder über die seit kurzem bestehenden Erektionsstörungen zu berichten. Auch Depressionen oder Probleme mit der Therapietreue werden häufig im Gespräch mit dem behandelnden Arzt verschwiegen.

Für viele der peinlichen MS-Symptome gibts es Hilfe und Linderung. Eine Änderung der Therapie bei Nebenwirkungen oder in „Ich-kann-diese-Spritzen-nach-5-Jahren-einfach-nicht-mehr-sehen“-Fällen schafft so manches Adhärenz-Problem aus der Welt.

Die Voraussetzung dafür ist ein offenes und ehrliches Gespräch.

Dazu ein paar Tipps zum Gespräch über die peinlichen Seiten der Multiplen Sklerose:

  • Machen Sie sich schon vor dem Arztbesuch eine Liste mit den Dingen, die Sie besprechen möchten. Manchmal hilft ein Zettel in der Hand beim Ansprechen unangenehmer Probleme.
  • Übung macht den Meister: trainieren Sie zu Hause vor dem Spiegel. Wenn Sie Ihrem eigenen Spiegelbild von Ihrer Blaseninkontinenz berichten können, dann schaffen Sie das auch beim Arzt.
  • Distanzieren hilft: „Ich habe gelesen und von anderen Patienten gehört, dass MS Gedächtnisprobleme und Depressionen machen kann. Ich glaube, ich habe da auch Probleme.“
  • Die Zeit macht vieles leichter: Ivana hat mit 16 Jahren ihre erste gynäkologische Untersuchung bei heftigen Unterbauchschmerzen aus Scham verweigert. Heute ist sie 45 und sagt: „Gynäkologie? Ich bin 45 und habe 3 Kinder zur Welt gebracht. Soll kommen und da unten schauen wer mag…“
  • Seien Sie versichert: Sie sind nicht allein. Symptome wie Inkontinenz, Verstopfung, Depression oder sexuelle Funktionsstörungen sind bei Multipler Sklerose sehr häufig. Auch Therapiemüdigkeit tritt bei sehr vielen Patienten immer wieder im Verlauf Ihrer MS-Erkrankung auf. Ihr betreuender Arzt hat große Erfahrung mit den unangenehmen und peinlichen Seiten der Multiplen Sklerose. Und ganz sicher sind Sie nicht der erste Patient, der mit hochrotem Kopf im Sprechzimmer sitzt.