Juliette Gréco, eine französische Sängerin und Schauspielerin sagte einmal:

Treue macht nur am Anfang Spaß

Viele Menschen mit chronischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose können davon ein Lied singen. Kurz nach Diagnosestellung ist die Motivation noch hoch, verordnete Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Doch Monate oder Jahre später schaut die Welt oft anders aus. Die Krankheit ist bestenfalls seit langer Zeit stabil, die Erinnerung an den letzten Schub schon verblasst. Die Spritzen kann man nicht mehr sehen, die Tabletten hängen einem schon beim Hals heraus. Und diese doofe Erkrankung, die man schon so lange wie einen – mal weniger, mal mehr – schweren Rucksack mit sich herumträgt, möchte man einfach mal vergessen. Auch der Alltag neben Job, sich türmender Schmutzwäsche und schreiendem Kleinkind macht das Denken an die Therapie schwer.

Kurzum: absichtlich oder unabsichtlich wird auf die regelmäßige Therapiegabe vergessen.

Was tun um die Motivation hoch zu halten?
Hier ein paar Tipps um die Therapietreue auch über lange Zeit hoch zu halten:

  • Wissen ist Macht: natürlich informiert sich jeder Patient über seine Erkrankung und natürlich ist jedem eigentlich klar, dass Medikamente nur dann helfen können, wenn man sie nimmt. Manchmal ist es aber gut, sich selbst daran zu erinnern, denn der Mensch kann erstaunlich gut unangenehme Dinge vergessen und verdrängen. Gerade keine Lust mehr auf Medikamente – weil eigentlich gehts mir ja eh gut? Lesen Sie nochmals nach über die Krankheit MS und ihren Verlauf (zB in der MS-Bibliothek). Lesen Sie Erfahrungsberichte von Patienten, deren MS eventuell schon weiter fortgeschritten ist. Nehmen Sie Ihre letzten MRT-Bilder zur Hand und betrachten Sie Ihre Flecken. Wissen was man nicht will, ist oft eine sehr gute Motivation etwas zu tun.
  • Auf Alltagstauglichkeit achten: bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapieform sollte neben den medizinischen Gründen auch die Alltagstauglichkeit im eigenen Leben eine entscheidende Rolle spielen. Sie beruflich oder privat ein Weltenbummler und haben schon Gratisflugmeilen ohne Ende gesammelt? Eventuell ist dann eine Spritzentherapie für Sie nicht die ideale Lösung. Sie haben einen schwer planbaren Dienstplan und können 4-6 wöchige Infusionen fast unmöglich in Ihre Arbeitsplanung einbauen? Es gibt fast immer Alternativen. Bedenken Sie schon vor Therapiebeginn etwaige Probleme im Alltag und besprechen Sie diese mit Ihrem Arzt. Für fast jede Lebenssituation und -lage lässt sich eine gute Therapiemöglichkeit finden.
  • Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Zähneputzen ist eine Routine, die man schon als kleines Kind lernt und darum nicht vergisst. Machen Sie Ihre Therapie zur Routine. Legen Sie zum Beispiel die Tabletten neben die Zahnbürste im Badezimmer oder spritzen Sie die Injektion immer am Abend vor den 20 Uhr Nachrichten. Je mehr etwas zur Routine wird umso geringer ist die Chance darauf zu vergessen – auch wenn der Tag die Hölle war oder man nach einem Mädelsabend ein oder zwei Gläschen Prosecco zuviel erwischt hat.
  • Das Notwendige mit dem Schönen verbinden: keiner nimmt gerne Medikamente oder gibt sich selbst Injektionen, auch wenn man über die Sinnhaftigkeit Bescheid weiss. Verbinden Sie doch das Notwendige mit etwas Schönem! Ein Stückchen Schokolade zu jeder Tablette oder eine weitere Folge der Lieblingsserie auf Netflix nach der wöchentlichen Injektion. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! Vielleicht schaffen Sie es sogar, die Medikamentengabe so mit etwas Schönem zu assoziieren, dass man sich fast darauf freut 😉
  • Erinnerungshilfen: probieren Sie unterschiedliche Erinnerungshilfen aus: Medikamente an Orten platziert, wo man sie nicht übersehen kann, Post-it am Kühlschrank, Wecker oder App am Handy, Notiz im Terminplaner,…alles ist erlaubt solange es funktioniert! Auch wenn man dafür die täglichen MS-Tabletten in dieselbe Schachtel wie die Tages-Kontaktlinsen packt!
  • Reden ist Gold: manchmal bekommt man das Gefühl als sei man der einzige Mensch auf der Welt, der gesundheitliche Probleme hat und regelmäßig Medikamente nehmen muss. Suchen Sie Kontakt mit anderen MS-Erkrankten, tauschen Sie sich über Therapien aus, holen Sie sich Alltagstipps und Erfahrungswerte anderer. Manchmal kann es Balsam auf der Seele sein, mit jemandem, der dieselben Probleme hat wie man selber, darüber zu sprechen. Kaum jemand versteht einen MS-Patienten besser als ein anderer MS-Patient.
  • Kontrolle ist gut: jeder kennt das Phänomen, dass man sich besonders gründlich die Zähne putzt, wenn der nächste Zahnarzttermin naht. Oft hilft auch eine Kontrolle bei Ihrem betreuenden MS-Spezialisten, die Motivation zur Therapie hoch zu halten.

Und wenns mit der verordneten Therapie wegen Nebenwirkungen oder Spritzenüberdrüssigkeit gar nicht mehr geht: reden Sie offen mit Ihrem betreuenden Arzt darüber. Fast immer läßt sich eine Alternative finden.