Seit wann Menschen an Multipler Sklerose erkranken ist nicht bekannt.

Die ersten Berichte über Multiple Sklerose stammen aus dem Mittelalter. Dies bedeutet freilich nicht unbedingt, dass Multiple Sklerose vorher nicht existierte. Der US-amerikanische Wissenschaftshistoriker Charles Rosenberg beschrieb dies treffend mit den Worten

Eine Erkrankung existiert nicht solange sie keinen Namen hat

Charles Rosenberg

Der älteste Bericht über MS: die Hl. Lidwina von Schiedam

Der erste Bericht, der an eine Multiple Sklerose denken läßt, handelt von der Heiligen Lidwina von Schiedam (1380-1433).

Mit 15 Jahren stürzte sie beim Eislaufen und zog sich dabei mehrere Rippenbrüche zu. In den folgenden 37 Lebensjahren werden — schubförmig verlaufende — Verschlechterungen und Besserungen ihres Zustandsbildes beschrieben, die an eine Multiple Sklerose denken lassen. So kam es zu Lähmungen beider Beine, des rechten Armes und Gesichts sowie zu Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen und Schluckstörungen.

Sie selbst glaubte an eine von Gott auferlegte Erkrankung zur Büße für die Sünden der Welt. Bald entwickelte sich ein Kult um die niederländische Nonne, die vielen Kranken und Rat Suchenden Trost spendete. 1890 wurde sie heiliggesprochen und gilt als Patronin der Kranken und der Krankenseelsorge sowie der Schlittschuhläufer.

Die erste persönlich verfasste Krankengeschichte: Sir Augustus d’Este

Die erste persönliche Krankheitsgeschichte eine MS-Patienten stammt von Sir Augustus d’Este (1794-1848), einem Enkel des britischen Königs Georg III. 26 Jahre lang führte er Tagebuch über seine Erkrankung und die verordneten Therapien.

Bei Sehstörungen am rechten Auge wurden zum Beispiel heisse Bäder verordnet und das Eintropfen von Schwefelwasser ins Auge. Als er eine Lähmung der Beine entwickelte, kamen Morphium und eine Quecksilberdiät zum Einsatz.

Die MS wird klinisch: Jean-Martin Charcot

Jean-Martin Charcot (1825-1893), ein französischer Neurologe, prägte als erster den Begriff der „sclérose en plaques“, und beschrieb die Krankheit sowohl klinisch als auch durch pathologische Studien ausführlich.

Zahlreiche Therapien kamen zum Einsatz, unter anderem Goldchlorid, Zinksulfat, Stichnin, Belladonna, Elektrotherapie. Alle blieben sie ohne Erfolg.

Charcot selbst sagte am Ende einer Vorlesung über Multiple Sklerose

Soll ich Sie nach dem Gesagten noch lange mit der Therapie quälen? Die Zeit ist noch nicht gekommen, wo diese allen Ernstes in Angriff genommen werden kann.

Jean-Martin Charcot

Wechselnde Theorien und erste Therapien: Das 20. Jahrhundert

Die Theorien über die Ursache der Multiplen Sklerose änderten sich ebenso wie die Therapieversuche im Laufe der Jahrzehnte. Von Abführmittel bis Antibiotika, blutverdünnenden Medikamenten, Vitaminen, Schleimlösern wurde fast alles versucht, leider ohne Erfolg.

Erst 1993 kam mit Beta-Interferon-1b das erste nachgewiesen wirksame Medikament auf den Markt und seither sind viele neue Therapien zugelassen worden.

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